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Ai bleib hier! #aiweiweibleib

Ai bleib hier! #aiweiweibleib

Wir brauchen dich, eben weil dieses Land so ist, wie es ist, hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen.

Du darfst nicht vergessen, welche Geschichte auf diesem Land lastet (eine, die sich in China in Xinjiang oder auch in den USA, an der Grenze zu Mexiko, gerade wiederholt), mit welchen, oft untauglichen Mitteln, dieses Land heroisch versucht, ein modernes Narrativ von sich selbst zu entwerfen, um grandios im kohlschen/merklerischen Kleinkarierten oder deutschtümelnden Nativismus der Populisten zu scheitern.

In diesem Land wird eng geatmet, und doch oftmals auch durchaus weiter gedacht als anderswo (siehe 1968 …, erste ökologische Partei … etc.).

Das Territorium, das sich Deutschland nennt, ist, was in diesem Land gerne verdrängt wird, seit jeher ein Einwanderungsland – auch ein „Durchzugsland“ – und hat mehrfach in seiner Geschichte gewaltige Integrationsleistungen erbracht, eben weil es kein kohärentes nationales Gebilde ist und als einheitlicher Staat erst seit historisch kurzer Zeit überhaupt existiert; dieser schwierige Prozess wiederholt sich gerade wieder einmal.

Wenn du sagst: „[Deutschland] … ist eine Gesellschaft, die offen sein möchte, aber vor allem sich selbst beschützt. Die deutsche Kultur ist so stark, sodass sie nicht wirklich andere Ideen und Argumente akzeptiert. Es gibt kaum Raum für offene Debatten, kaum Respekt für abweichende Stimmen“, … so ist dies in großen Teilen auf kompensatorische Mechanismen zurückzuführen, auf den hilflosen Versuch, die neuen Einflüsse – nicht nur durch die Zuwanderer, sondern auch die der Moderne (Internet/IT/KI) – mit altbackenen/provinziellen Strategien zu meistern.

Ja, dieses Land gibt sich offen/modern/zukunftsorientiert, ist jedoch in überholten Strukturen verhaftet, die sichtbar zerbröckeln und dem, was da kommt, nicht gewachsen sein werden. Eine „starke deutsche“ Kultur, die du beklagst, gibt es allerdings nicht. Das was, du beklagst, ist eher die Abwesenheit von Kultur, hierzulande – um die Unterscheidung von Kant zu bemühen – gibt es Zivilisation (also Wissenschaft, Technik, Dübel, Schrauben, Autos und Kühlschränke …) und diese Elemente bestimmen den „kulturellen“ Diskurs.

Und richtig, deshalb hat in diesem Land die Kunst keine wirkliche Stimme, wird in schicken Museen vor Perlenketten-/Faltenröcke-Publikum zelebriert oder existiert in wirtschaftlichen Brachflächen am Rande des gesellschaftlichen Geschehens. Kunst als politischer Diskurs, als menschlicher Erfahrungs-/Entfaltungsraum führt ein tristes Dasein in diesem Land.

Gerade deshalb brauchen wir dich!

Es hat nach Joseph Beuys in diesem Land niemand gegeben, der in der Lage gewesen wäre, „dem toten Hasen die Welt zu zeigen“, du könntest dieser weiterhin sein.

#aiweieibleib

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