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Holomovement

Holomovement

0002_06/2009
Eine Bewegung
Acryl auf Leinwand
100 cm x 200 cm

Lassen wir einen Tintentropfen in einen mit Glycerin gefüllten Becher fallen und rühren dann das Glycerin, wird der Tintentropfen immer weiter verdünnt, bis er nicht mehr sichtbar ist. Er ist jetzt in der Flüssigkeit „eingefaltet“. Rühren wir in die entgegen gesetzte Richtung, erscheint er wieder. Wenn der Tintentropfen im Glycerin eingefaltet ist, ist er zwar gegenwärtig, aber nur in einem impliziten Zustand. Wenn wir ihn jedoch sehen, dann ist er explizit. Der Tropfen ist immer da, er ändert nur seinen Zustand.

So könnte auch die grundlegende Ordnung beschrieben werden,

aus der die wahrnehmbare Welt mit ihrem Gefüge von Dingen und Erscheinungen erst hervorgeht, und zwar durch Eine Bewegung der Entfaltung.

„Implizite Ordnung“ nannte der Quantenphysiker David Bohm jene Ordnung, die unsichtbar im Ganzen enthalten ist (Tao/Brahman/Absolute Wirklichkeit). Die äußere Welt ist demnach die entfaltete oder explizite Ordnung (Atman/Relative Wirklichkeit). Und das primäre Wesen des Seins ist diese Eine Bewegung des unendlichen Einfaltens und Entfaltens, Einfaltens und Entfaltens …

In der impliziten Ordnung ist alles in alles gefaltet. Das heißt, dass durch die Eine Bewegung das ganze Universum aktiv in einem jeden seiner Teile eingefaltet ist. Die dynamische Aktivität des Einfaltens und Entfaltens verleiht somit jedem Teil des Ganzen einen inneren Aspekt der Ganzheit und einen äußeren Aspekt der individuellen Form – wodurch bedingt wird, dass selbst in dieser Einen Bewegung das Gesamte und somit alle anderen Teile implizit sind!

Im Bereich des Impliziten sind wir alle Teil voneinander und Teil vom Ganzen, durchdringen wir uns gegenseitig und sind miteinander verwoben. Im Bereich des Expliziten sind wir dagegen getrennt.

Das ist die Grundlage für die Existenz von allem, auch von uns selbst. Die unseren Sinnen erscheinenden Dinge sind abgeleitete Formen, und ihre wahre Bedeutung wird nur sichtbar, wenn wir das Plenum (lat.: voll) betrachten, in dem sie erzeugt und erhalten werden und in dem sie letztlich auch verschwinden müssen.

Form ist Leere, Leere ist Form heißt es in der Prajnaparamita Sutra.

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